4. Türchen im Seenotrettungs-Adventskalender

Ein Wunder und das gute Ende

4. Dezember: Ein Wunder und das gute Ende

Gebrehiwet (38) ist vor dem Militärdienst in Eritrea geflohen. 2016 kam er nach vielen Jahren auf der Flucht über das Mittelmeer und Italien nach Mecklenburg-Vorpommern. Er wurde als Flüchtling anerkannt, lebt und arbeitet in Rostock.

Ein Wunder und das gute Ende

Ich bin mit 23 Jahren aus Eritrea geflohen. In der Sahara überschlug sich der Toyota, auf dessen Pritsche ich mit 30 weiteren Menschen saß. Zwei junge Frauen starben, viele wurden schwer verletzt. Mein linker Arm und das rechte Bein brachen, aber ich hatte Glück: Die Schlepper nahmen mich in einem anderen Auto mit. Manche ließen sie im Sand liegen.

Drei Monate verbrachte ich in einem Haus nahe der libyschen Küste. Am 26. Juli 2016 endlich wurden von den tausend Menschen, die mit mir waren, 700 aufgerufen. Meine Familie hatte 5500 US-Dollar bezahlt, um mir nach zwölf Jahren Flucht durch verschiedenste Länder die Überfahrt nach Europa zu ermöglichen.

An der Küste wurde abgehakt, wer bezahlt hatte. Ohne Schwimmwesten bestiegen wir das alte Holzboot, Männer nach unten in den Schiffsbauch, wo es dunkel, heiß und laut vom Motor war. Eine kleine Luke für Luft. Frauen und Kinder an Deck, dazu ich als Verletzter.

Nach Mitternacht starteten wir. Zwei Schnellboote mit Scheinwerfern begleiteten uns aufs offene Meer und kehrten dann um. Als es hell wurde, banden die Frauen Tücher an Stangen und winkten in der Hoffnung, wir würden entdeckt. Die Lage unter Deck war katastrophal. Ohne Luft und Wasser, eingeklemmt zwischen anderen, auf dem Boden sitzend zwischen Exkrementen und Erbrochenem, war ein junger Eritreer gestorben.

Die anderen schlugen gegen das Deck und schrien: „Wir sterben hier, lasst uns raus!“ Doch der Einstieg wurde zugehalten – aus Angst, dass das Schiff durch Bewegungen Schlagseite bekommen und sinken würde. Eritreische Priester sangen und beteten laut, um uns zu beruhigen. Doch wir waren sicher: Wir werden sterben. Alle weinten.

Wie ein Wunder tauchte nach vielen Stunden ein Schiff der italienischen Küstenwache auf. Ein Boot holte uns in Gruppen ab und brachte uns zum Schiff.

Angekommen in Italien wurde mein Bein operiert, später in Schwerin mein Arm. Heute bin ich gesund, arbeite im Hotel und bin als Flüchtling anerkannt. Meine Reise hatte ein gutes Ende genommen. Warum?

Gott hat mir immer wieder neue Hoffnung geschenkt. Und Menschen, die mich gerettet haben. Danke!

Alle Erzählungen dieses Adventskalenders beruhen auf realen Erlebnissen. Einige Namen wurden von der Redaktion geändert oder nicht vollständig genannt.