1. Türchen im Seenotrettungs-Adventskalender

Rette mich, Gott, denn das Wasser steht mir bis zum Hals.

1. Dezember: Rette mich, Gott, denn das Wasser steht mir bis zum Hals.

Psalm 69

Rette mich, Gott, denn das Wasser steht mir bis zum Hals.

Wo ist Rettung? Kein Schiff weit und breit.
Sie haben gesagt, wir sollen schnell in der Dunkelheit in dieses kleine Boot steigen.
Sie versprachen, ein großes Schiff würde uns weiter draußen aufnehmen.
Nur ein paar Seemeilen.
Jetzt sind drei Tage vergangen.
Kein Benzin mehr, kein Trinkwasser mehr. Die Wellen schwappen ins Boot.
Meine Kleidung ist nass, ich friere und zittere.
Alle erstarren immer mehr, dabei müssen wir Wasser aus dem Boot schöpfen.
Einer ist einfach aufgestanden, meinte, er nähme jetzt ein Taxi und ging über Bord.
Weil er sich nicht mehr rühren konnte, versank er sofort.
Ich bin zu taub zum Schreien, zu taub zum Beten.

Immer tiefer versinke ich im Schlamm, meine Füße finden keinen Halt.
Ich stehe im tiefen Wasser, und die Flut überwältigt mich.

Es ist windig und kalt. Mir ist so kalt.
Aber wäre ich geblieben, wäre ich jetzt schon tot.
Fliehen war die einzige Möglichkeit.
Aber nun wartet hier der Tod, dunkel, kalt und mächtig.

Ich bin müde vom Schreien, meine Kehle ist rau und wund.
Meine Augen sind müde und matt vom Warten auf dich, mein Gott.

Kann ich noch beten? Geht das noch?
Ich schreie. Und wahrscheinlich bist du der Einzige, der uns noch hört.

Rette mich, Gott, denn das Wasser steht mir bis zum Hals.

Alle Erzählungen dieses Adventskalenders beruhen auf realen Erlebnissen. Einige Namen wurden von der Redaktion geändert oder nicht vollständig genannt.